Theorie wird digital
Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll entfallen. Live-Online-Unterricht, Selbstlernen und Hybrid-Modelle werden gleichgestellt — die Theorieprüfung bleibt für alle Pflicht.
Die Bundesregierung plant die größte Reform der Fahrausbildung seit Jahrzehnten. Der Führerschein soll flexibler, digitaler und günstiger werden — hier findest du alle geplanten Änderungen, den Zeitplan und was das für Fahrschulen bedeutet.
Noch nicht beschlossen: Der Bundestag hat den Gesetzentwurf am 24. September 2026 erstmals beraten und an den Verkehrsausschuss überwiesen — entschieden ist damit noch nichts. Was die erste Lesung konkret verändert hat, steht in unserem Update zur ersten Lesung. Bis zur Verabschiedung kann sich jeder Punkt noch ändern.
Acht zentrale Punkte aus dem Reformpaket — von der digitalen Theorie bis zum öffentlichen Preisvergleich.
Die Pflicht zum Präsenzunterricht soll entfallen. Live-Online-Unterricht, Selbstlernen und Hybrid-Modelle werden gleichgestellt — die Theorieprüfung bleibt für alle Pflicht.
Der amtliche Katalog mit derzeit 1.169 Fragen soll um rund ein Drittel schrumpfen — mit Fokus auf praxisrelevantes Wissen. Im Gespräch: eine Frage, ein Punkt.
Die starre Vorgabe von 12 Pflicht-Sonderfahrten soll fallen. Künftig entscheiden Fahrlehrer stärker nach dem individuellen Lernstand, wie viele Fahrten nötig sind.
Heute dauert die Prüfung 55 Minuten. Geplant ist eine deutliche Verkürzung in Richtung EU-Mindestmaß (25 Minuten Fahrzeit) — das schafft mehr Prüfungstermine.
Simulatoren dürfen künftig einen größeren Teil der Ausbildung übernehmen — etwa kritische Situationen, die sich im echten Verkehr kaum gefahrlos üben lassen.
Neu: Nach bestandener Theorieprüfung sollen private Übungsfahrten mit einer nahestehenden Begleitperson möglich werden — befristet als 5-jährige Experimentierklausel.
Fahrschulen sollen Preise und Bestehensquoten an ein öffentliches Transparenzregister melden. Fahrschüler können Fahrschulen damit erstmals direkt vergleichen.
Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten werden reduziert und digitalisiert. Ausbildungsnachweise und Verwaltung wandern endgültig vom Papier in die Software.
Der Auslöser ist der Preis. Ein Führerschein der Klasse B kostet in Deutschland im Schnitt rund 3.400 Euro, und er ist über Jahre teurer geworden — schneller als fast alles andere, was junge Menschen brauchen. Für viele ist er damit keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine Anschaffung, die verschoben wird. In ländlichen Regionen hängt daran die Mobilität überhaupt.
Die Antwort der Bundesregierung setzt an drei Hebeln an, die alle dasselbe Ziel haben: weniger Pflichtstunden, die nichts bringen. Wer schnell lernt, soll nicht zwölf Sonderfahrten absitzen müssen, weil eine Zahl im Gesetz steht. Theorie soll dort stattfinden können, wo sie ohnehin gelernt wird — am Bildschirm. Und Preise sollen vergleichbar werden, damit Wettbewerb entsteht, wo heute niemand vergleichen kann.
Ob das am Ende billiger wird, lässt sich seriös noch nicht beziffern. Weniger Pflichtfahrten heißt nicht automatisch weniger Fahrstunden — sie werden nur nicht mehr vorgeschrieben, sondern nach Bedarf angesetzt. Bei Fahrschülern, die mehr Übung brauchen, kann das dieselbe Rechnung ergeben. Der Unterschied ist, dass die Stunden dann einen Grund haben.
Für alle, die den Führerschein noch vor sich haben, sind vier Punkte relevant — vorausgesetzt, sie überstehen das parlamentarische Verfahren unverändert.
Theorie wird ortsunabhängig. Die Pflicht, im Unterrichtsraum zu sitzen, soll entfallen. Live-Online-Unterricht, Selbstlernen und Mischformen sollen gleichgestellt werden. Die Theorieprüfung selbst bleibt für alle verpflichtend — daran ändert sich nichts. Zusätzlich soll der amtliche Fragenkatalog von derzeit 1.169 Fragen um etwa ein Drittel schrumpfen und sich stärker auf praxisrelevantes Wissen konzentrieren.
Weniger vorgeschriebene Sonderfahrten. Die starre Vorgabe von zwölf Pflichtfahrten soll fallen. Wie viele Überland-, Autobahn- und Nachtfahrten nötig sind, sollen Fahrlehrer stärker nach dem individuellen Lernstand entscheiden.
Kürzere praktische Prüfung. Heute dauert sie 55 Minuten. Geplant ist eine deutliche Verkürzung Richtung EU-Mindestmaß, das bei 25 Minuten reiner Fahrzeit liegt. Für Fahrschüler heißt das vor allem: mehr Prüfungstermine, also kürzere Wartezeiten.
Üben mit einer Begleitperson. Neu und bemerkenswert: Nach bestandener Theorieprüfung sollen private Übungsfahrten mit einer nahestehenden Begleitperson möglich werden. Das ist als befristete Experimentierklausel über fünf Jahre angelegt — der Gesetzgeber will es also ausprobieren und danach auswerten.
Was die Reform ausdrücklich nicht ist: ein günstigerer Führerschein per Beschluss. Ausbildung, Prüfung und Fahrlehrer bleiben kostenpflichtig, und die Fahrschule bleibt zuständig. Verändert wird, was verpflichtend ist — nicht, was etwas kostet.
Der geplante Weg durch Bundestag und Bundesrat — bis zum Inkrafttreten in zwei Stufen.
Nicht verwechseln: Parallel läuft die 4. EU-Führerscheinrichtlinie (digitaler Führerschein, begleitetes Fahren ab 17 EU-weit). Sie muss erst bis 2029 umgesetzt werden — das sind zwei verschiedene Vorhaben.
Die Reform läuft auf zwei Schienen gleichzeitig, und das erklärt einen Großteil der Verwirrung: Es gibt ein Gesetz, das unter anderem das Fahrlehrergesetz ändert, und eine Verordnung, die die Fahrschüler-Ausbildungsordnung neu fasst. Beide gehören zusammen, laufen aber getrennt durch das Verfahren und treten voraussichtlich zu unterschiedlichen Terminen in Kraft.
Die Ausbildungsverordnung liegt dem Bundesrat seit dem 10. Juni 2026 vor. Der Bundesrat hat am 10. Juli 2026 Stellung genommen und dabei zahlreiche Änderungs- und Prüfempfehlungen beschlossen — das ist der übliche Weg, aber es zeigt auch, dass an den Details noch gearbeitet wird.
Der Gesetzentwurf liegt seit dem 29. Juli 2026 dem Bundestag vor. Am 24. September 2026 hat der Bundestag ihn erstmals beraten und anschließend an den Verkehrsausschuss überwiesen. Dort wird er jetzt im Detail geprüft und kann geändert werden, bevor zweite und dritte Lesung folgen. Danach geht er erneut an den Bundesrat. Zeitgleich wurde ein separater AfD-Antrag zur Führerscheinfinanzierung beraten und ebenfalls an den Ausschuss überwiesen — beides steht ausführlich in unserem Update zur ersten Lesung.
Was das praktisch heißt: Die Richtung steht fest — digitale Theorie, weniger starre Pflichtfahrten, mehr Transparenz. Die Zahlen stehen es nicht. Wie viele Sonderfahrten am Ende wegfallen, wie kurz die praktische Prüfung wirklich wird und wie genau gemeldet werden muss, entscheidet sich erst im parlamentarischen Verfahren. Wer heute Investitionen plant, sollte von der Richtung ausgehen, nicht von einer konkreten Zahl.
Geplant ist ein Inkrafttreten in zwei Stufen: die neuen Ausbildungsregeln zum 1. Januar 2027, die übrigen Teile — darunter das Transparenzregister und die Prüfungsregeln — zum 1. Juli 2027. Auch diese Termine stehen unter dem Vorbehalt des laufenden Verfahrens.
Grundlage sind der Kabinettsbeschluss vom 20. Mai 2026, die Ausbildungsverordnung als Bundesrats-Drucksache 365/26 samt der Stellungnahme des Bundesrats vom 10. Juli 2026, der Gesetzentwurf als Bundestags-Drucksache 21/7404 sowie die Beratung der ersten Lesung im Bundestag am 24. September 2026. Wo im Verfahren noch nichts entschieden ist, steht das hier ausdrücklich dabei — wir schreiben keine Zahl auf, die wir nicht belegen können.
Rund um die Reform kursieren Aussagen, die so nicht stimmen. Die fünf häufigsten, und was tatsächlich geplant ist:
Nein. Entfallen soll die Pflicht zum Präsenzunterricht. Theorie muss weiterhin gelernt werden, und die Theorieprüfung bleibt für alle verpflichtend. Fahrschulen dürfen Unterricht weiter anbieten — nur eben auch digital.
Geplant ist ein Inkrafttreten in zwei Stufen: die Ausbildungsregeln zum 1. Januar 2027, Transparenzregister und Prüfungsregeln zum 1. Juli 2027. Und beide Termine stehen unter dem Vorbehalt des laufenden Verfahrens.
Was fallen soll, ist die feste Zahl von zwölf Pflichtfahrten. Überland, Autobahn und Nacht verschwinden damit nicht aus der Ausbildung — sie werden nach Lernstand angesetzt statt nach Vorschrift. Wer sie braucht, bekommt sie weiterhin.
Zwei verschiedene Vorhaben, die oft vermischt werden. Die vierte EU-Führerscheinrichtlinie bringt unter anderem den digitalen Führerschein und begleitetes Fahren ab 17 EU-weit; sie muss erst bis 2029 umgesetzt werden. Die Reform, um die es hier geht, ist deutsches Recht und läuft eigenständig.
Günstiger zu werden ist das erklärte Ziel, keine Zusage. Weniger Pflichtstunden senken die Kosten nur bei denen, die diese Stunden nicht gebraucht hätten. Was sich sicher ändert, ist die Vergleichbarkeit: Wenn Preise und Bestehensquoten öffentlich werden, entsteht Wettbewerb, wo bisher kaum einer stattfand.
Jedes davon ändert einen konkreten Prozess in deinem Betrieb. Hier steht, was geplant ist — und was du vorbereiten kannst.
Die Präsenzpflicht soll fallen, digitale Formate gleichgestellt werden. Was das für die Organisation heißt.
Ansehen →Warum der Wegfall der Präsenzpflicht weniger Untergang als Positionierungsfrage ist.
Ansehen →Weg von der festen Zahl, hin zum Lernstand — und was das für Planung und Kalkulation bedeutet.
Ansehen →Kürzere Prüfung, mehr Termine. Klingt gut, verlangt aber eine engere Terminplanung.
Ansehen →Preise und Bestehensquoten sollen in ein öffentliches Register. Erstmals wird verglichen.
Ansehen →Simulatoren sollen mehr übernehmen dürfen. Die ehrliche Frage nach Anschaffung und Nutzen.
Ansehen →Der Bundestag hat erstmals beraten. Was sich dadurch konkret geändert hat — und was nicht.
Ansehen →Ist deine Fahrschule reformbereit? Zum Abhaken, ohne Formular und ohne Download.
Ansehen →Warten, bis alles beschlossen ist, klingt vernünftig, ist aber teuer: Die Umstellung betrifft Abläufe, nicht nur Papier. Wer erst im Dezember 2026 anfängt, Theorieunterricht digital zu organisieren oder seine Preise sauber aufzubereiten, macht beides unter Zeitdruck.
Drei Dinge lassen sich heute erledigen, unabhängig davon, wie das Verfahren ausgeht. Erstens: wissen, welche Zahlen deine Fahrschule überhaupt hat — Preise je Leistung, Bestehensquoten, Auslastung. Zweitens: Nachweise dorthin bringen, wo sie auswertbar sind, statt auf Papier. Drittens: die Terminplanung so aufstellen, dass eine flexiblere Ausbildung sie nicht sprengt.
Wir haben das als Liste zum Abhaken zusammengestellt — offen im Browser, ohne Formular und ohne E-Mail-Adresse: Ist deine Fahrschule reformbereit?
Kurz gesagt: Digitalisierung wird vom Nice-to-have zum Pflichtprogramm — und wer vorbereitet ist, gewinnt.
Die Reform verschiebt drei Dinge im Betrieb, unabhängig davon, wie die Zahlen am Ende ausfallen.
Die Planung wird unregelmäßiger. Solange zwölf Sonderfahrten vorgeschrieben sind, ist ein Ausbildungsverlauf weitgehend berechenbar. Fällt die Vorgabe, entscheidet der Lernstand — und der ist bei fünfzehn Fahrschülern fünfzehnmal anders. Für die Terminplanung heißt das: mehr kurzfristige Umdispositionen, mehr unterschiedliche Stundentypen nebeneinander, weniger Routine.
Nachweise werden auswertbar sein müssen. Wenn Dokumentationspflichten digitalisiert werden und gleichzeitig der individuelle Lernstand über den Ausbildungsumfang entscheidet, reicht ein Ordner mit Papier nicht mehr. Nicht, weil Papier verboten wäre, sondern weil niemand darin nachschlägt, wenn er in der Fahrstunde eine Entscheidung treffen muss.
Die Außendarstellung wird vergleichbar. Bisher konkurrieren Fahrschulen über Lage, Empfehlung und Gefühl. Sobald Preise und Bestehensquoten öffentlich nebeneinanderstehen, kommt eine Kennzahl dazu, die jeder nachlesen kann. Das ist für gut geführte Fahrschulen eher eine Chance als eine Bedrohung — aber es setzt voraus, dass man seine eigenen Zahlen kennt, bevor sie jemand anders veröffentlicht.
Online-Theorie, elektronische Preismeldung, digitale Ausbildungsnachweise — ohne saubere Software-Basis geht ab 2027 wenig.
Reduzierte Dokumentationspflichten, keine vorgeschriebenen Schulungsräume für Online-Theorie, flexiblere Ausbildungsplanung.
Das Transparenzregister macht Preise und Bestehensquoten öffentlich — gut aufgestellte Fahrschulen werden erstmals sichtbar belohnt.
FahrenPlus macht deine Fahrschule reformfertig: digitale Terminplanung, Online-Buchung für Fahrschüler und Teamverwaltung — und als Einpreis-Software bekommst du alle Funktionen, die durch die Reform dazukommen, automatisch ohne Aufpreis.
14 Tage kostenlos testenGeplant ist ein Inkrafttreten in zwei Stufen: Die neue Ausbildungsverordnung soll zum 1. Januar 2027 gelten, das geänderte Gesetz zum 1. Juli 2027. Das parlamentarische Verfahren läuft noch — die Termine stehen daher unter Vorbehalt.
Die generelle Pflicht zum Präsenzunterricht soll entfallen. Digitale Formate wie Live-Online-Unterricht und Selbstlernen werden dem Präsenzunterricht gleichgestellt. Fahrschulen können Theorieunterricht weiterhin anbieten — die Theorieprüfung bleibt für alle verpflichtend.
Das ist das erklärte Ziel: Weniger Pflicht-Sonderfahrten, eine kürzere praktische Prüfung, Simulator-Training und digitale Theorie sollen die Kosten senken. Um wie viel genau, lässt sich noch nicht seriös beziffern — aktuell kostet der Klasse-B-Führerschein im Schnitt rund 3.400 €.
Die starre Vorgabe von 12 Pflicht-Sonderfahrten soll fallen. Diskutiert wird eine deutliche Reduzierung der Pflichtfahrten — künftig sollen Fahrlehrer stärker nach dem individuellen Lernstand entscheiden, wie viele Fahrten nötig sind.
Alle Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsberatung. Stand des laufenden Gesetzgebungsverfahrens: 25. September 2026.